Hintergrundinformationen zu den Fragen

Hat die Schweiz einen tieferen  Immissionsgrenzwert für Funksender als dessen Nachbarländer?   

Dies ist eine Fangfrage, die Streu vom Weizen trennen soll, bezüglich detaillierten Kenntnissen der NSIV.

Die Schweiz hat bezüglich Immissionsgrenzwerten, wie die meisten europäischen Staaten, die Empfehlungen des Vereines ICNIRP übernommen.

Die Schweiz hat aber in der NISV zusätzlich auch noch Anlagegrenzwerte definiert. Anlagegrenzwerte existieren nur in der Schweiz und können mit dem Immissionsgrenzwert nicht direkt verglichen werden, weil sie sich auf unterschiedliche Summen und Orte beziehen.

Immissionsgrenzwerte gelten überall  wo sich Menschen aufhalten können und darf von der aufsummierten Feldstärke aller Funkdienste (Radio, TV, GSM, UMTS, Tetrapol, WiMAX usw.) nicht überschritten werden. Der Anlagegrenzwert darf an Orten mit empfindlicher Nutzung von der Summe aller Funkdienste, die vom selben Masten aus senden, nicht überschritten werden. Auch wenn die Anlagegrenzwerte mit einen Zehntel der Immissionsgrenzwerte definiert sind, so darf noch lange nicht von 10x tieferen Grenzwerten gesprochen werden.

Sind Sie für ein generelles Verkaufsverbot für Glühbirnen, auch wenn die Alter­native Energiesparlampe die TCO- Norm für strahlungsarme Monitore nicht ein­hält?

Energiesparlampen erzeugen NIS, die die Strahlung von TCO- geprüften Computermonitoren (das sind heute die Meisten) um das 2-3- fache übertreffen. Eine zu hohe Dichte an „billigen“ Energiesparlampen sorgt für Dirty Power, der bei elektronischen Geräten, somit auch den Sparlampen selbst, zu einer wesentlichen Verkürzung deren Lebensdauer führen kann. Glühlampen können mit dem Haushaltkehricht entsorgt werden, Sparlampen müssen fachgerecht entsorgt werden.

Nur mit ca.2% der Gesamtenergie erzeugen wir Licht. Über 70% des künstlichen Lichtes wird bereits heute mit Gasentladungslampen (FL-Röhren, Energiesparlampen usw) erzeugt. Die Wärme von Glüh- und Halogenglühlampen darf nicht nur als Energieverlust angesehen werden. Die Wärme der Leuchten trägt auch zum Beheizen der Gebäude bei. Gerade Strahlungswärme ist die wertvollste Wärme und kann dazu beitragen, dass die Raumlufttemperatur tief gehalten werden kann.

Ein Glühlampenverbot ist angesichts der heutigen Alternativen eine Alibiübung, die mehr kostet als etwas einbringt.

Sind Sie für gesetzliche Massnahmen, die die Verwendung von Geräten mit Stand-by- Verbrauch (moderne an Steckdosen betriebene Leuchten, Ladestationen, Geräte der Unterhaltungselektronik und Telekommunikation)?

Auch wenn heute oft Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzt werden und energieoptimierte Haushaltgeräte gekauft werden, so steigt der Stromverbrauch deutlich. Dies ist vor allem auf Geräte mit Stand-by- Betrieb zurückzuführen. Ständer- und Tischleuchten, die nach dem Netzteil geschalten werden, Computer und Telefon die dauernd einen Verbrauch aufweisen, Ladestationen die immer am Netz eingesteckt sind und Sendeanlagen, die auch senden, wenn niemand telefoniert – Das sind die Verbraucher, die für den Anstieg verantwortlich sind.

Sind Sie für begleitende Massnahmen, damit im liberalisierten Strommarkt die Über­tragung der el. Energie mit konventionellen Höchstspannungsleitungen über grosse Strecken finanziell uninteressant werden?

Tatsache ist, dass der Energieverlust bei der Übertragung elektrischer Energie über grosse Strecken nicht unbedeutend ist. Diese verlorene Energie wird in Magnetfelder und Wärme umgewandelt. Lange Leitungen ist somit gleichbedeutend mit Energieverschwendung und Elektrosmog.

Wo soll Greenconnector realisiert werden?

Greenconnector AG beabsichtigt, das bestehende Trasse der stillgelegten Ölleitung der Oleodotto del Reno SA für eine 400 kV Gleichstromverbindung vom Unterwerk Sils i.D. ins italienische Verderio zu nutzen. Um Wechsel- in Gleichspannung zu wandeln und umgekehrt, werden grosse Konverterstationen benötigt.

Darf für Sie das Greenconnector- Projekt auch realisiert werden, wenn dadurch bestehende Zubringer stärker belastet werden und bei diesen NISV-Grenzwerte nicht eingehalten werden?

Die Energie, die Greenconnector für die HGÜ aktiv im UW Sils aus dem Netz zieht, übertrifft die Menge an Energie, die mit den Generatoren in der Region Domleschg, Albulatal, Hinterrhein produziert werden kann. Das heisst, die alten Höchstspannungstrasses durch das Domleschg werden stärker ausgelastet. Diese Leitungen halten im heutigen Zustand die NISV- Anlagegrenzwerte nicht ein. Die Folgen bezüglich NIS für die bestehenden Leitungen sind nicht Bestandteil des Bewilligungsverfahrens für die neue HGÜ.

Es ist nicht geplant, dass nach dem Bau der HGÜ eine bestehende alpenquerende Leitung ausser Betrieb gesetzt wird.

Sollen heute durch Sender kaum belastete Orte, als Rückzugsmöglichkeiten für Elektro­sensible von neuen Sendern (Mobilfunk, WiMAX) verschont bleiben?

Elektrosensible Menschen haben heute schon Schwierigkeiten einen Wohnort zu finden, an dem sie beschwerdefrei leben können. Gerade die Tatsache dass ab 2008 ein breitbandiger Internetanschluss zur Grundversorgung gehören soll, bedroht abgelegene Orte durch die Installation von WiMAX- Sendeanlagen. WiMAX stellt eine kostengünstige, aber nicht energieeffiziente Möglichkeit dar, kostengünstig abgelegene Wohnorte mit breitbandigem Internetanschluss zu versorgen. Dies hat aber eine zusätzliche NIS- Belastung zur Folge.

Fordern Sie wirtschaftunabhängige NIS- Forschung?

Tatsache ist, dass die Resultate von Forschungsarbeiten nicht unwesentlich von den Geldgebern abhängig sind. Auf die Veröffentlichung des weltweit aufwendigsten NIS- Forschungsprogrammes, das in den USA von Dr. Carlo geleitet wurde, warten wir seit Jahren, weil die Resultate nicht im Sinne der Auftraggeber sind.

Gerade in der Schweiz gibt es kaum NIS- Forschung, die nicht auch mit Geldern aus der Industrie realisiert wird. Das Stiftungskapital der Forschungsstiftung Mobilfunkkommunikation stammt von den Mobilfunkbetreibern. Die meisten Projekte, die das Nationale Forschungsprogramm NFP 57 mitfinanziert, erhalten auch Gelder, die aus der Wirtschaft stammen.

Antworten von Markus Durrer, Präsident der IGSES