Strom-Alpentransit

Infolge der europäischen Bestrebungen zur Liberalisierung des Elektrizitätsmarkts und dem steigenden Bedarf an elektrischer Energie wachsen die Transitflüsse nach Italien laufend.

Der Anschluss der Bernina- Leitung an das italienische Stromnetz im Januar 05 hat die grenzüberschreitende Leitungskapazität merklich erhöht. Weil aber der Stromhandel wegen dem Preisgefälle zwischen Italien und den übrigen europäischen Staaten äusserst interessant ist und man von einer weiteren Zunahme des Strombedarfs in Italien ausgehen kann, plant die Stromwirtschaft noch einen weiteren Ausbau des alpenquerenden Hochspannungsnetzes, wie die Projekte Ausbau der Septimerleitung (EWZ) und die geplante Gleichstrom- Hochspannungsübertragung (HGÜ) der Firma Greenconnctor AG zeigen.

Bereits heute wird entlang der Freileitungstrasses des schweizerischen Höchstspannungsnetzes der gesetzliche Anlagegrenzwert an einigen sogenannten Orten mit empfindlicher Nutzung (Wohn- und Arbeitsorte) massiv überschritten. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass alte Anlage, wenn sie den Nachweis einer optimierter Phasenbelegung erbringen können, den Anlagegrenzwert der NISV nicht einhalten müssen.

Der zunehmende Strom- Alpentransit bedeutet eine Minderung unserer Lebensqualität - sie bedroht die Gesundheit der in ihrer Nähe lebenden Menschen und verschandelt zudem unsere Landschaft, die gerade in Graubünden von hoher wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Die Trasse durchschneidet nebst Gebirgs- und Gletscherlandschaften von nationaler Bedeutung, auch Äcker und Wiesen, Wälder und Moore, Bach- und Flusstäler, den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen und letztlich auch den von uns Menschen. Bei dem Bemühen, grösseren menschlichen Siedlungen im Trassenverlauf auszuweichen, werden doch ökologisch besonders wertvolle, dünnbesiedelte Gebiete, die in unserem Land ob ihrer Seltenheit und biologischen Wertigkeit, einen hohen Schutzstatus haben sollten, durchschnitten und damit auch die Lebensräume einiger seltener Tierarten empfindlich gestört.

Vögel kollidieren öfters mit Freileitungen. Auch kann die grosse Spannweite grosser Greifvögeln ausreichen um zwischen zwei Leitern einen Spannungsüberschlag zu verursachen, ohne dass eine Berührung der Leiter stattfindet.

Nebst der Landschaftsverschandelung und elektromagnetischen Immissionen weisen Hochspannungsfreileitungen Energieverluste aus. Die Leiter werden bei Nennlast ganzjährig auf 40 Grad erwärmt. Angesichts des ausdehnten Hochspannungsnetzes wird dabei unsere Umwelt beheizt.

Auch kann gesagt werden, dass an den Leitern der Freileitungen in geringem Masse Ozon und NOX entsteht und am Fusse von Gittermasten der Boden mit Kupfer und Zink belastet wird.

Beim Projekt der Firma Greenconnctor AG, das eine Verlegung einer HGÜ mittels Kabel in einer stillgelegten Ölleitung vorsieht, ist mit sogenannten Vagabundierenden Strömen zu rechnen, weil die Rückführung des Stromes über das Erdreich möglich ist. Bei Vagabundierenden Strömen die weit ab von der Leitungsführung verlaufen reicht ein kleiner Strom aus, der in dessen unmittelbarem Umfeld Magnetfelder von einigen hundert Nannoteslas aufbauen können.

Unser Protest erregt sich einerseits deswegen, weil der geplante Ausbau nicht dem Wissen und der technischen Machbarkeit des 21. Jahrhunderts entspricht - die angesprochenen Nachteile also vermeidbar oder verminderbar wären. Andererseits ist es nicht hinnehmbar, dass die bestehenden Zuleitungen, die die Anlagegrenzwerte rechtlich nicht einhalten müssen, markant stärker belastet werden.

Mit alternativen Technologien können Übertragungsverluste halbiert werden. Alleine schon geringerer Energieverlust, höhere Betriebsicherheit und die tieferen Unterhaltskosten rechtfertigen längerfristig grössere Investition, geschweige der Reduktion der Belastung unseres Lebensraumes mit künstlich erzeugten elektromagnetischen Feldern, die in dringendem Verdacht stehen, unser Wohlbefinden zu stören und Krebs zu verursachen. Lange Transportwege sind auch bei der Energie unökologisch. Deshalb darf der Bezug von Energie aus der Ferne wirtschaftlich nicht interrasant werden, denn nur so hat die dezentrale Gewinnung der Elektrizität aus erneuerbaren Energien eine Chance.

Es kann nicht hingenommen werden, dass der Preis für mehr Markt wieder einmal mehr der Alpenraum bezahlen muss !