Elektrosmog hat viele Gesichter
Elektrosmog ist eine populistische Wortschöpfung. Das Wort setzt sich zusammen aus dem Begriff Elektro, womit ausschliesslich künstlich erzeugte, nicht natürliche Elektrizität gemeint ist und dem englischen Begriff Smog, der soviel bedeutet wie Dunst, Schleier verschmutzer Luft. Elektrosmog meint also alle künstlichen elektrischen und magnetischen Felder, die uns im normalen Umfeld umgeben und für die der Mensch kein Sinnesorgan besitzt. Man kann sie weder riechen, schmecken noch fühlen. Menschen die aber trotzdem elektrische Vorgänge und elektromagnetische Felder wahrnehmen können werden als Elektrosensibel bezeichnet und reagieren oft mit Befindlichkeitsstörungen oder gar Krankheitssymptomen auf die Einwirkung elektromagnetischer Felder.
Im Schlaf ist der menschliche Körper besonders empfindlich. Er regeneriert sich und schaltet auf ein tieferer Energielevel. Ein realistischer Blick in ein durchschnittliches (Kinder)-Schlafzimmer zeigt die Risiken: Da liegt ein Verlängerungskabel am Kopfende, ein Radiowecker steht auf dem Nachttisch, auf der anderen Wandseite steht ein Fernsehegerät und über Eck in der Wand zum Korridor verlaufen die Steigleitungen und ist der Elektroverteilkasten eigelassen. Häufig steht da noch der Computer mit seinen verschiedenen Perpheriegeräten und den dazugehörenden Netzgeräten und über dem Bett ist die Niedervolt- Halogenlichtseilzug mit Transformator installiert. Nebenan im Wohnzimmer sendet die Basisstation des DECT-Telefon permanent mit ihrer hart gepulsten Hochfrequenzstrahlung, die mühelos jede noch so dicke Mauer durchdringt. Als ob dies alles nicht schon ausreichen würde, da sendet auch noch eine Mobilfunkbasisstation aus 80m Distanz direkt in unsere Richtung und das während 24 Stunden am Tag und 50m hinter dem Haus verläuft eine Höchstpannungsfreileitung, die Italien mit Strom aus der Schweiz, Nordfrankreich und Osteuropa versorg. Das Magnetfeld dieser Leitung darf in unseren Schlafräumen legal die Anlagegrenzwerte überschreiten.
All diese Leitungen, Geräte und Funktelefone strahlen elektromagnetische Felder oder Wellen ab, denn Felder sind immer da, wo Spannung anliegt oder Strom fliesst. Diesen Feldern ist der Mensch in seinem Bett schutzlos ausgesetzt und sie können zu extrem hohen Spannungen am und im Körper führen.
Eine Nervenzelle nimmt bereits eine elektrische Reizung von ca. 15 Millivolt (0,015V) wahr. Wenn nun Menschen jede Nacht in ihren Betten an 1'000fach höhere Spannungen ankoppeln, so ist leicht zu verstehen, dass dies mit Schlafstörungen, Reizbarkeit, Gelenkschmerzen, Herzrhythmusstörungen u.a. in Zusammenhang stehen kann.
Als Stressfaktoren treten im Einzelnen auf:
Niederfrequente elektrische Wechselfelder
Sie entstehen durch die dauernd anliegende Spannung in elektrischen Leitungen, Steckdosen, Schaltern und Verteilerdosen. Die Feldstärke wird in V/m gemessen, die an den menschlichen Körper ankoppelnde Spannung in Volt (bzw. Millivolt). Niederfrequente elektrische Wechselfelder unserer häuslichen Stromversorgung haben eine Frequenz von 50 Hertz. Aber viele elektronischen Geräte in unserer Hausinstallation, wie Dimmer (Helligkeitsregler, elektronische Vorschaltgeräte von Leuchtstofflampen), getaktete Netzteile u. a. belasten das Netz und die nähere Umgebung mit Pulsen, können gar hochfrequent Strahlen.
Niederfrequente elektrische Felder sind biologisch relevant und können eine Vielzahl von Beschwerden oder Krankheiten verursachen. Sie können relativ leicht abgeschirmt werden.
Niederfrequente magnetische Wechselfelder
Sobald Geräte eingeschaltet werden, d.h. sobald Strom fliesst, entstehen magnetische Felder. Sie sind nur mit sehr hohem Aufwand abschirmbar.
Die Magnetfelder der elektrischen Installlationen und Geräte, wie auch die Felder von Energieversorgungsleitungen schwingen mit 50 Hz. Die Fahrleitung der Bahn hingegen verursacht Felder mit einer Frequenz von 16 2/3 Hz.
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf eine hohe biologische Relevanz. In der Praxis wurden vielfältige Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen beobachtet.
Hochfrequente elektromagnetische Wellen
Ab ca. 9 kHz können sich elektromagnetische Wellen von ihrer Quelle lösen und in die Ferne strahlen. Da wir uns in der Regel nicht im Nahfeld (die Ausnahme bilden die elektronischen Geräte im Haushalt und für die Nutzer die Handys) dieser Quellen befinden, genügt es bei hochfrequenten Wellen ab ca. 400kHz uns mit der Erfassung des Fernfeldes zu begnügen. Im Fernfeld stehen Magnetfeld und das elekrtische Feld in direkter Abhängigkeit zueinander. Das bedeutet, wenn wir die eine physikalische Grösse kennen, dann können wir die andere Komponente errechnen (was im Nahfeld nicht der Fall ist). International orientiert man sich oft an der Leistungsflussdichte [W/m²], die das Produkt des magnetischen Flusses [A/m] mit der elektrischen Feldstärke [V/m] darstellt. In der Schweiz sind die Grenzwerte für die elektrische Feldstärke definiert [V/m].
Hochfrequente elektromagnetische Wellen benutzt man im Funkbereich. Dafür werden verschiedene Frequenzbänder benutzt. Das Ausbreitungsverhalten (Beugung, Refelxion), die Eindringtiefe in Gewebe (z.B. den Menschen), die Dämpfung durch Mauern ist frequenzabhängig. Die Eindringtiefe verringert sich mit zunehmender Frequenz.
Kurz-, Mittel- und Langwellensender grösserer Reichweite werden in unseren Regionen nur noch von Funkamateuren betrieben (See- und Flugfunk haben bei uns eine untergeordnete Bedeutung). UKW und Fernsehsender stehen in der Regel in grosser Entfernung zu Wohngebieten. Hingegen sind die im Mikrowellenbereich sendenden Mobilfunkbasisstationen oft mitten in dicht besiedelten Gebieten installiert und konzentrieren ihre Sendeleistung mit gerichteten Antennen wie Scheinwerfer in die sogenannten Hauptstrahlrichtungen. Als weitere Eigenschaft sind die Trägerwellen mit einer niederfrequenten Pulsung moduliert, die nachweislich biologische Effekte begünstigen. Über Gesundheitsrelevanz biologischer Wirkungen sind sich die Wissenschaftler bis heute noch uneinig. Elektro- und Baubiologen sind auf Grund ihren Beobachtungen in ihrer beruflichen Praxis von der Schädlichkeit der Mobilfunkstrahlung weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte überzeugt.
Die heute geltenden gesetzlichen Grenzwerte basieren lediglich auf der Gefährdung der Gesundheit durch thermische Wirkung. Dies deutet, dass sich organisches Gewebe durch nichtionisierende Strahlung nicht gesundheitrelevant erwärmt werden darf. Hingegen berücksichtigt die heutige Gesetzgebung, im Gegensatz zu den Richtwerten der Baubiologen oder den Salzburger Vorsorgewerten, nichtthermische Risiken in keiner Art und Weise.